Was ist Gestalttherapie? Wie oben schon ersichtlich, biete ich neben meiner kinder- und jugendärztlichen Tätigkeit außerdem noch Gestalttherapie und -beratung für Erwachsene an. Da diese Therapieform immer noch nicht sehr bekannt ist - zu Unrecht, wie ich finde - will ich versuchen, Ihnen die wesentlichen Bausteine aufzuzeigen: [nach oben]
Dialogisches Prinzip und Phänomenologie: In der Gestalttherapie stehe [1] ich nicht über dem Klienten [2] , gestehe mir auch ein, nicht mehr über ihn als er selbst zu wissen. Aus diesem Grunde arbeite ich mit dem, was ich bei Ihnen als Klienten wahrnehme, also in erster Linie sehe und höre, wobei mir das „Wie"" mindestens genau so wichtig ist wie das „Was", und mit meinen eigenen Resonancen, also dem, was ich in mir als Reaktion auf unsere gemeinsame Arbeit spüre. Da auch meine Wahrnehmungen subjektiv sind, also durchaus keinen Anspruch auf objektive Wahrheit haben, teile ich sie Ihnen mit, damit Sie entscheiden können, in wie weit Sie damit etwas anfangen können. Die Haltung, mit der ich Ihnen begegne, ist keine (ab)wertende oder klassifizierende - ich habe auch keine Erwartungen an Sie - sondern ist geprägt von Wertschätzung Ihres Seins, Ihres Wertes als Mensch, Ihrer Einzigartigkeit: ich bin überzeugt, dass Sie, wie alle Menschen, die Fähigkeit zur seelischen Selbstheilung in sich tragen. Ich verstehe uns beide als Team, in dem ich der Spezialist für menschliche Veränderungen und Sie der Spezialist für sich selbst sind. [3]Wenn ich „ich" sage, meine ich mich damit nicht unbedingt persönlich, sondern eigentlich „wir Gestalttherapeuten". Da es hier aber im Wesentlichen um Sie und mich geht, habe ich diese Form gewählt. [4]Die Leserinnen mögen mir verzeihen, dass ich hier nur die männliche grammatische Form benutze; sie erscheint mir trotz aller Einschränkung nach wie vor die lesbarste Variante zu sein. Zu einer rein weiblichen Form kann ich mich aber auch nicht aufraffen, da sie letztendlich ebenso eingeengt und mir als Mann einfach zu fremd ist. [nach oben]
Selbstverantwortung: Auch wenn es manchmal schwer einzusehen und zu ertragen ist: für seine Gefühle, seine Reaktionen, seine daraus entstehenden Handlungsweisen ist jeder ganz allein verantwortlich: keiner kann Sie glücklich oder unglücklich machen, wenn Sie nicht bereit sind, entsprechend zu reagieren [3] . Dies ist aber auch die Voraussetzung dafür, dass Sie sich überhaupt verändern können; andernfalls wären Sie ja ein willenloser Spielball des Schicksals. Das glauben Sie nicht? Prüfen Sie es nach! Kann nicht dieselbe (z.B. unerwünschte ) Handlung Ihres Kindes, je nach Ihrer augenblicklichen Verfassung, eine völlig gelassene oder auch wütende Reaktion bei Ihnen auslösen? Weitere Beispiele gebe ich Ihnen gerne im persönlichen Austausch. Das glauben Sie nicht? Prüfen Sie es nach! Kann nicht dieselbe (z.B. unerwünschte ) Handlung Ihres Kindes, je nach Ihrer augenblicklichen Verfassung, eine völlig gelassene oder auch wütende Reaktion bei Ihnen auslösen? Weitere Beispiele gebe ich Ihnen gerne im persönlichen Austausch. [nach oben]
Prinzip des „Hier und Jetzt" Ich möchte in unserer Teamarbeit Ihr lebendiges Erleben fördern, in dem ich Sie ermutige, im Hier und Jetzt zu arbeiten, d.h. mit dem, was im jeweiligen Augenblick der Therapie real erlebbar, wahrnehmbar, fühlbar ist. Das können natürlich auch Erinnerungen sein, die aus dem gerade Erlebten hervortreten und unmittelbar wahrnehmbar sind. Natürlich gäbe es noch viel mehr dazu zu sagen, das würde aber hier den Rahmen sprengen. Ich will vielmehr dazu übergehen, wozu GT gut ist und wer von ihr profitieren kann. Gestalttherapie ist keine Heilmethode, sondern eine Form, Ihren persönlichen Entwicklungsprozess zu begleiten und zu unterstützen. Würde ich mir anmaßen, Sie heilen zu wollen, würde ich Sie ja als Objekt meiner Tätigkeit betrachten und überdies das, was Sie zu mir bringt, als krank diffamieren In unserer Sichtweise sind die Dinge, unter denen Sie leiden, keine Krankheiten, sondern z.B. Handlungen und Gefühle, die u. U. einmal lebenswichtig für Sie waren: wenn Weinen als Kind die Wut des Vaters provozierte, lernt man, die Tränen zu unterdrücken; ist es also krankhaft, wenn Sie verlernt haben zu weinen?
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